Die Kunst des Wohnens von D. Walters (4)

Das 6. Kapitel ist das spannendste und komplexeste im gesamten Buch. Zum einen befähigt es den Leser sein Zuhause aus Feng Shui-Sicht zu untersuchen. Zum anderen beruht diese Untersuchung auf dem persönlichen Element des Lesers, sodass er direkt mit einbezogen wird. Das erinnert an die Methode "Ba Zhai". Walters orientiert sich daran ein wenig, vertritt aber eigentlich eine eigene Idee, die nicht ganz einfach zu verstehen ist. Aus diesem Grund umfasst das 6. Kapitel auch gute 50 Seiten.

Wo sind die Unterschiede?

Im Ba Zhai berechnet man das persönliche Element bzw. das Ming Gua (die persönliche Zahl) auf Grundlage des Geburtsjahres der Person. Walters hingegen geht noch einen Schritt weiter und bezieht den Geburtsmonat mit ein. Er vergibt also eine persönliche Zahl, die sich vom Ba Zhai unterscheidet. Das ist wichtig, zu wissen, denn im chinesischen Feng Shui-Klassiker "Ba Zhai Ming Jing" gibt es zwar viele Arten, Ba Zhai zu berechnen und anzuwenden, aber Walters' Art gehört definitiv nicht dazu. Walters stellt es jedoch so dar, als sei seine Methode klassisches Feng Shui.

Der nächste Schritt im Ba Zhai besteht darin, die günstigen und ungünstigen Richtungen, die sich aus dem Ming Gua oder aus dem Zhai Gua ergeben, auf den Wohnungsgrundriss zu übertragen und entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen. Walters geht anders vor. Er vergleicht das persönliche Element der Person mit dem Bagua. Das Bagua hat 8 Bereiche, denen jeweils eines der 5 Elemente zugeordnet ist. Walters nimmt den Hervorbringungs- und den Zerstörungszyklus zuhilfe und analysiert, wie sich das persönliche Element und die Elemente der Baguabereiche beeinflussen. Anschließend bewertet er die Baguabereiche mithilfe der 8 Richtungen (s. letzter Beitrag) als günstig oder ungünstig. Im letzten Schritt zieht er eine Gesamtbilanz und guckt, welcher Bereich sowohl in der Wohnung günstig ist, als auch für die Person aufgrund ihres Elements positiv ist. Wieder bekommt der Leser den Eindruck, Walters' Vorgehensweise sei klassisches Feng Shui, obwohl dem nicht so ist. Seine Idee ist nett, aber in keinem klassischen Werk zu finden, erst recht nicht im "Ba Zhai Ming Jing".

 

Das 6. Kapitel ist einer der Hauptgründe, weshalb ich am Anfang dieser Buchrezension meinte, dass ich "Die Kunst des Wohnens" mit Einschränkungen als Grundlagenwerk bezeichnen würde.

In den nächsten Beiträgen bespreche ich die letzten vier Kapitel des Buchs.

 

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